London Coffee Festival

Von heißem Kaffee und explodierten Herzen

von Florian Brings

Vom 6.-9. April fand wieder das London Coffee Festival statt. Die City an der Themse, eine perfekte Location.

„Das Wichtigste ist, dass du was lernst“ – so lautete mein Auftrag für den Besuch des London Coffee Festivals, bei dem die europäische Barista-Szene zusammenkommt. Unter den Augen einer strengen Speciality-Coffee Jury messen sich Baristas in verschiedensten Disziplinen.

Es ging natürlich nicht nur darum, wer den besten Kaffee zubereitete, sondern auch um viel Show. Hier zwei Kontrahenten beim Cupping.

Beim Cupping gilt es, innerhalb einer gewissen Zeit möglichst viele Kaffees nur am Geschmack identifizieren zu können. (Der Herr mit dem prächtigen Hut links im Bild, hat den Kaffee übrigens nicht konventionell durch das Schmecken mit dem Mund identifiziert, sondern ihn von einem Löffel durch die Nase gezogen, kurz im Mund zirkulieren lassen und ihn danach ausgespuckt.)

Doch nicht nur sie wollten ihre Fähigkeiten zeigen. Auch die unterschiedlichsten Röstereien, Coffee-Shops und Produkthersteller waren zahlreich erschienen, um sich dem fachkundigen Publikum zu präsentieren.

London Coffee Festival – Tag 1

In aller Frühe um kurz vor 7 Uhr landete ich in London – Stansted, machte mich schnell auf den Weg in die Stadt und verschaffte mir einen Überblick über das, was mich an den beiden Tagen meines Besuches erwarten würde. Einen ersten Eindruck bekam ich in dem unmittelbar vor dem Festival-Gelände residierenden Third-Wave-Coffeeshop „Nude“. Dort hatten sich schon eine Stunde bevor das Festival überhaupt eröffnet wurde, zahlreiche Menschen mit Laptops, Listen und Visitenkarten niedergelassen und sich in Gespräche rund um das Produkt Kaffee vertieft.
Für mich war das der erste Hinweis darauf, dass – obwohl die Veranstaltung als Festival und nicht als Messe betitelt wurde – der kommerzielle Gedanke doch im Vordergrund stehen würde. Ich bestellte mir einen Kaffee und behielt den Gedanken, dass es vielleicht weniger um Kaffee und mehr ums Geschäft gehen sollte, mal im Hinterkopf.

Nachdem sich die Pforten dann um kurz nach 10 Uhr öffneten und ich meine Tour über das Festival-Gelände (sehr empfehlenswert für den nächsten Aufenthalt in London: Das Gelände der Truman-Brauerei) starten konnte, wurde ich sofort von den verschiedensten Eindrücken überwältigt. Neben den großen Ständen von Starbucks, DeLonghi oder Brita waren es zahlreiche sehr kleine Stände von Start-Ups, Röstereien oder Coffee-Shops, die sofort ins Auge fielen und sich meine Aufmerksamkeit durch kleine Proben ihrer Kaffees und Spezialitäten sichern konnten. Man begegnete sich auf Augenhöhe. Einige außerordentlich angenehme, weil ungezwungene Gespräche über die Vorzüge des Daseins als Kaffeeliebhaber entwickelten sich.
Recht schnell stellte sich dabei heraus, dass London die wohl größte und vielfältigste Speciality-Coffee Szene Europas beherbergt.  Ich bekam einige „Insider-Tipps“ zu Coffee-Shops, die ich unbedingt besuchen müsste.
Leider zeigten sich auch die Nebenwirkungen des stark erhöhten Kaffeekonsums: Schon gegen Mittag hatte ich das Gefühl, mein Herz würde beim nächsten Schluck noch so exzellenten Kaffees einfach explodieren.
Zum Glück war die Lösung meines Problems nicht weit entfernt und so aß ich meine erste Portion Fish & Chips seit 8 Jahren in einem kleinen Lokal unweit des Geländes. Das Zusammenspiel der Speise sowie des Pints zeigten deutliche Wirkung. Ich konnte mich nach meiner Mittagspause in Ruhe und ohne Angst vor Herz-Rhythmusstörungen den Coffee Masters widmen.
Leider war das eine zähe Veranstaltung. Trotz einiger Gelegenheiten, das Können der verschiedenen Kontrahenten zu bestaunen, war sie insgesamt doch eher von der Langatmigkeit eines Pudelwettbewerbs geprägt.

Ich beschloß, mir den insgesamt guten Eindruck des ersten Tages nicht nehmen zu lassen und beendete meinen Tag auf dem Festival mit einem Besuch der Espresso Martini Bar. Sie sollte am folgenden Tag noch eine besondere Überraschung für mich bereithalten.

London Coffee Festival 2016, Espresso Martini Bar

Wer sagt, man könne mit Kaffee nicht auch Party machen? In der Espresso Martini Bar ließ sich der Abend hervorragend einläuten.

London Coffee Festival – Tag 2

Für den zweiten und leider auch schon letzten Tag in dieser überwältigenden Stadt nahm ich mir vor, einige der angepriesenen Coffee-Shops zu besichtigen. Dafür besorgte ich mir ein Ticket für die Londoner U-Bahn, verzichtete vorsorglich auf den Kaffee zum Frühstück und machte mich auf den Weg zum “Old Spitalfields Market”. Dort ist nicht nur ein täglicher Markt beherbergt, auf dem man neben kulinarischen Spezialitäten à la französischer Ente, koreanischen Nudeln oder deutschem Brot auch diverse Künstler, Handwerker und Händler finden kann. Auch das “Department of Coffee and Social Affairs” gibt es hier: Eine Speciality-Coffee Kette, die in London mittlerweile an 7 Standorten ihren eigenen, selbstgerösteten Kaffee unter die Menge bringt – übrigens auch zu einem wohltätigen Zweck.
Ich besuchte anschließend noch verschiedene Kaffee-Läden, die in den touristischeren Ecken Londons (Parlamentsviertel, Piccadilly Circus, Oxford Street) zu finden sind, an denen die Menschen viel Zeit und wenig Geld ausgeben. Aber auch an Orten, an denen die Menschen grundsätzlich wenig Zeit und viel Geld haben (Bankenviertel, City of London) lief das Geschäft. Wohin ich auch kam, die Shops brummten.

Da sich meine Zeit in London langsam dem Ende zuneigte, ich aber noch meine Überraschung am Espresso-Martini-Stand erleben wollte, fuhr ich zurück zum Festival und holte mir eine ganz besondere Köstlichkeit ab.

Den Espresso – Martini – Mr. Black

London Coffee Festival 2016, Espresso Martini

Der Espresso Martini Mr. Black. Lecker!

Diese Mischung aus frischem Cold-Brew Kaffee, einem Martini und einem Kaffeelikör namens Mr. Black sorgte für einen letzten lehrreichen Moment im Rahmen meiner Reise nach London. Einen solch exotischen Geschmack hab ich bislang noch nicht erlebt. Weder bei Kaffee oder „kaffeeartigen“ Getränken, noch bei der Auswahl an alkoholischen Getränken, die ich bislang getrunken hatte.

Mein Auftrag für die nächsten Wochen war klar:

Mr. Black ist bestellt
Cold-Brew Kaffee kann ich selbst brühen
Martini gibts in jedem Supermarkt

-> Das bekomme ich auch hin

Denn gerade für die wärmeren Jahreszeiten, die uns bevorstehen, könnte das DER Drink des Sommers werden.

Insgesamt habe ich viele interessante Eindrücke gewonnen, neue Erfahrungen gesammelt und einige Kontakte geknüpft, die mir die Augen für eine der schillerndsten Kaffeemetropolen dieses Planeten haben öffnen können. Ich werde nächstes Jahr wiederkommen, denn: Es gibt noch so viel mehr zu entdecken.

P.S.:

London Coffee Festival 2016, Rainbow over London

London: Für seine Kaffeeszene und auch so, immer eine Reise wert!